BBK Oberfranken
Berufsverband Bildender Künstler/innen Oberfranken e.V.

Kommen und Gehen

8.-30.12. Neue Rathaus Bayreuth

Kommen und Gehen

Lebende und verstorbene Künstler des BBK Oberfranken stellten gemeinsam in Bayreuth aus.

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8.12. bis 30.12. 2016

Ausstellungshalle des Neuen Rathauses Bayreuth, Luitpoldplatz 13, 95444 Bayreuth
Mo., Di., Do. 8:00 bis 17:00 Uhr, Mi. 8:00 bis 18:00 Uhr, Fr. 8:00 bis 15:00 Uhr, Eintritt frei.

Eröffnung 7.12.2016, 18:00 Uhr

2017 wird der Berufsverband Bildender Künstler/innen Oberfranken e.V. (BBK) 70 Jahre alt. 1947 als solidarische Interessenvertretung bildender Künstler gegründet, hat er während all dieser Jahre immer wieder Impulse im oberfränkischen Kulturleben gesetzt.

In regelmäßigen Ausstellungen, und durch die Präsenz von Arbeiten im öffentlichen Raum und privaten Sammlungen sind viele seiner Mitglieder regional einem größeren Publikum bekannt. Um einen Eindruck der Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens zu geben waren nun Arbeiten von teils langjährigen, in den letzten beiden Jahren verstorbenen BBK – Künstlern Werken von Neumitgliedern gegenübergestellt. Selten oder nie zu sehende Kunstwerke so bekannter Namen wie Reinhard Klesse, Heinrich Schreiber und Johann Schuierer, meist Zeichnung, Malerei und Plastik, trafen auf Werke von Cornelia Lottes, Thomas Michel, Reiner Schütz, Judith Bauer-Bornemann und Nelly Schrott.

Vom 8.12 bis 30.12.2016 konnte das Publikum in der Ausstellungshalle des Neuen Rathauses Bayreuth überprüfen, worin sich in Medium, Technik, Themenwahl und Arbeitsweise die Arbeiten unterschiedlicher Künstlergenerationen unterscheiden oder ähneln. Viele der ausgestellten Werke waren verkäuflich, eine Gelegenheit, noch die eine oder andere Arbeit aus dem Nachlass zu erwerben oder an der Entwicklung der zeitgenössischen Künstler teilzuhaben.

Flyer der Ausstellung

 

 

Die Künstler und ihre Werke:

Judith Bauer-Bornemann

Judith Bauer-Bornemann: Flut, Acryl auf Leinwand, 100 x120

Flut, Acryl auf Leinwand, 100x120cm

Judith Bauer-Bornemann bevorzugt außer bei Aquarellen und Radierungen das Arbeiten in größeren Formaten mit Acryl auf Leinwand in meist farbreduzierter Wiedergabe von gegenständlichen Motiven mit extremen Lichtverhältnissen. So sind auch die ausgestellten Bilder in jeweils nur ein bis zwei Farben ausgeführt.

* 1955,
bis 1997 freischaffende Grafikerin in Bamberg und Nürnberg
heute Malerei und Druckgrafik
zahlreiche Workshops für Radierungen, Siebdruck, experimentelle Drucktechniken und freies Malen.

 

Friedrich Gröne †

Friedrich Gröne

Verzweigungen I – V, Acryl auf Leinwand, 2002, 60x50cm und 80x60cm

Bei den „Verzweigungen“ wird eine Entwicklung, beinahe ein Stimmungswechsel sichtbar. Gröne wendet sich von den klaren, begrenzten Formen ab und bietet Raum für das Unklare. Der schnelle Duktus unterstreicht die Vergänglichkeit und erzeugt innerhalb des Bildrahmens eine gewisse Beweglichkeit. Der weiß gehaltene Hintergrund wirkt einem unruhigen Ausdruck entgegen, wodurch man nicht müde wird, dem Spiel der Formen und Farben zu folgen. (Carolin Scheidel)

* 1932 Bamberg – † 2015
1958-63 Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste München bei Prof. Erich Glette, Meisterschüler, Abschlußdiplom für besondere künstlerische Leistungen
Malerei, Druckgrafik, Kunst am Bau
Darüber hinaus Veröffentlichung von drei Gedichtbänden und mehreren Erzählungen
Lebte als freischaffender Künstler in Schnabelwaid/Ofr

 

Reinhard Klesse †

reinhard-klesse-geisselung-2011

Geißelung, Kreide a. Packpapier u. Hartfaser, 2011, 80x68cm

Reinhard Klesse ist bekannt in ganz Oberfranken und darüber hinaus für seine Brunnen, Denkmale und sakralen Figuren, meist aus Muschelkalk. Sie sind auf Plätzen, in öffentlichen Gebäuden und Kirchen sichtbar und prägen diese bis heute. Die kleineren Steinfiguren, oft in Privatbesitz, mit ihrem liebevoll satirischen Blick auf die fränkische Landbevölkerung sind ein weiterer wohl bekannter Aspekt seines Schaffens. „Im Grunde meines Herzens bin ich ein Zeichner“ diese Selbstaussage aus den 80er Jahren bestätigen die hier ausgestellten Kreidezeichnungen. Es sind autonome Arbeiten, in denen es ihm gelungen ist, die Formen der menschlichen Figur direkt aus dem Zeichenduktus heraus zu entwickeln und ihnen dadurch starke Emotionen mitzugeben.

* 28.10.1932 Saalfeld – † 23.7.2014
1947 bis 1950 Steinmetz und Bildhauerlehre
1957 Umzug nach Bonn
seit 1959 in Viereth bei Bamberg
1960 – 1967 Steinmetz u.a. an der Bamberger Dombauhütte
seit 1968 selbständiger Bildhauer, Zeichner und Maler
1984 Bundesverdienstkreuz
1987 bis 1992 Vorsitzender des BBK Oberfranken
1987 Kulturpreis der oberfränkischen Wirtschaft der IHK

 

Cornelia Lottes

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Stehende, 2005, 20cm

Cornelia Lottes ist in ihrer Malerei auf der Suche nach Farbräumen, inspiriert von südlichen
lichtdurchfluteten Landschaften. In der Skulptur drückt sie seelische Haltungen mit der menschlichen Figur aus.
geboren 1957 in Forchheim

1977 bis 83 Studium der Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg
1985 Umzug nach Bordighera/Ligurien, eigenes Atelier, Seit 2005 wieder Hauptwohnsitz in Forchheim
Ausstellungen in Forchheim, Bamberg, Bordighera, Cagnes sur Mer, Nizza, Ventimiglia
Imperia, Torino, Berlin

 

Thomas Michel

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Genesis Nr. 37, Hydrographie / C-Print 120x90cm

Dem Geist des Surrealismus und seinen Methoden zur Erforschung des Unterbewusstseins verpflichtet, stieß Thomas Michel beim Experimentieren mit Tusche auf Folie auf eine Technik, die er „Hydrographie” nannte. Durch Sedimentation von Tuschepigmenten entsteht ein virtueller Kosmos, der zugleich seltsam vertraut und fremd wirkt. Das Ergebnis sind mikroskopisch kleine Bilder, die in etwa einem fotografischen Negativ entsprechen und als Vorlage für Abzüge auf Fotopapier dienen.
Der hydrographische Bilderzyklus „Cyclus Cerealis” bezieht sich auf die römische Göttin Ceres, Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Die Hydrographien von Thomas Michel entstehen nach den gleichen topographischen Gestaltungsgesetzen, die auch die erodierten Landschaften auf den Planeten des Sonnensystems formen, indem die Kräfte des flüssigen Aggregatzustands sichtbar gemacht werden.

* 1966 Darmstadt
1988 bis 1993 Studium an der FH München im Fachbereich Industrial Design
parallel dazu autodidaktisches Studium der Malerei
lebt und arbeitet in Bamberg
seit 1991 Einzelausstellungen und Gruppenprojekte im In- und Ausland in den Bereichen Malerei, Hydrographie und Design

 

Heinrich Schreiber †

Christophorus (Ausschnitt), Tannenholz bemalt, 1983, 370 x 50 cm

Christophorus (Ausschnitt), Tannenholz bemalt, 1983, 370 x 50 cm

„Von Kindheit an habe ich eine innige Beziehung zu meiner Heimat, dem Frankenwald und ein besonderes Verhältnis zum Stein aus den Sandsteinbrüchen, auf die man in dieser Gegend häufig trifft. Der Sandstein erscheint mir wie ein lebendiges Wesen unter den Händen des Bildhauers. Daher ist er für mich bevorzugtes Arbeitsmaterial… .“
Heinrich Schreiber hat einen klassischen Werdegang von der handwerklichen Lehre hin zur akademischen Ausbildung absolviert. Dies zeigt sein Werk insofern, als es exzellentes Handwerk mit Ideenreichtum vereint. Er bleibt der Berufung des Bildhauers in dem Sinne treu, als er Abbilder in Stein, Holz und Metall schafft. Dabei wäre es verfehlt, in Heinrich Schreiber nur den Schüler seines Professors oder nur den Vertreter der klassischen Moderne zu sehen. Bei aller Nähe zu verschiedenen bildhauerischen Stilen des 20. Jahrhunderts ist seine eigene künstlerische Sprache unverkennbar, mit der er die Verwurzelung in seiner fränkischen Heimat und seine tiefe Religiosität zum Ausdruck bringt.

* 23.10.1935 Kronach – † 7.8.2016 Kronach
1950 bis 1955 Lehr- und Gesellenzeit als Steinmetz und Steinbildhauer
1955 bis 1960 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Josef Henselmann

 

Edgar Stengele †

Flussaue, 2014, 38 x 48 cm, Öl auf Papier, auf MDF

Flussaue, 2014, 38 x 48 cm, Öl auf Papier, auf MDF

Edgar Stengele war ein Meister vieler Techniken und Künste. Ein ausgebildeter Fassmaler, Restaurator und Vergolder, der meisterlich sein Handwerk beherrschte und zugleich als Künstler mit impressionistischem Duktus seine eigene Sicht auf die Welt in Ölgemälden darzustellen vermochte. Sein Spätwerk konzentriert sich auf die Gestaltung von Landschaften und Standansichten: Bamberg, der Hain, Flussauen, Gebirgsseen und sein eigener Garten. Die malerische Auseinandersetzung von Licht- und Schattenspiele in der Natur und das romantische Idyll sind die Themen seiner Werke. Edgar Stengele hatte den Mut jenseits zeitgenössischer Trends seinen ganz eigenen Weg zu gehen. „Er war Maler und hätte nie etwas anderes werden dürfen“ (Dr. Sybille Morgenstern-Stengele)

* 1935 – † 2015
Atelier und Ausstellungsraum auf der Bamberger Altenburg

 

Johann Schuierer †

johann-schuierer-print-2010

Print 04/2010, 110x101cm

Johann Schuierer bezeichnete sich selbst als „Metaller“. Kupfer und Sandstein sind bevorzugte Materialien der Außenplastiken. In den jüngsten Arbeiten entdeckte er digitale Medien, wie in den Serien Prints und Zeitzeichen.

* 27.10.1947 – † 15.5.2015
1969 – 1974 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München
1976 bis 2010 Kunsterzieher und Kunstpädagoge (Graf-Münster-Gymnasium Bayreuth, Universitäten Bayreuth und Bamberg)
1990 – 1996 Vorsitzender des Kunstvereins Bayreuth
seit 2010 freischaffender Künstler, Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum

Nelly Schrott

Scarabaeus auratus

Scarabaeus auratus, 12- teilige Fotoserie, 2011, 70 x 50 cm, Auflage 15

Grundlage der Fotoserie sind Bilder von Künstlern, meist aus dem 19. Jh., die Frauen oder Mädchen zeigen. Diesen klassischen Gemälden von Caspar David Friedrich, Claude Monet, Louis Picard, Eugene Delacroix und Rembrandt wird ein neues, verfremdendes und verstörendes Element hinzugefügt: Einmal der glamouröse Goldkäfer Scarabäus auratus, der die Figur schmückt und ihre Schönheit betont, andererseits kann es auch der Scarabäus mortiferus sein, der geheimnisvolle, todbringende Käfer, der auf die Vergänglichkeit der Schönheit, also das Vanitas-Motiv, verweist. Ein neuer und irritierender Blick auf die Klassiker.

* 1948 Forchheim/Ofr.
Schulzeit in Bamberg, Kunst- und Musikstudium in Köln
Lehrtätigkeit in diesen Fächern 1971 – 1999 in NRW
Arbeit als freie Künstlerin seit den 70er Jahren
zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Köln und dem Rheinland, seit 2016 auch in Bayern
2014 Umzug nach Forchheim/Ofr.

 

Reiner Schütz

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Waldstück II, Digitalprint auf Acrylglas, 70x100cm

Seit mehreren Jahren Auseinandersetzung mit digitaler Kunst. Ausgangspunkt sind meist eigene Fotos und Handzeichnungen, die anschließend digital nachgezeichnet und neu arrangiert und koloriert werden. Es entstehen Überlagerungen und Verfremdungen. Der digitale Herstellungsprozess und der Druck hinter Acrylglas schaffen Distanz und konterkarieren das Stoffliche traditioneller Malgründe.

* 1959 Bamberg
Studium Grafik-Design FH Nürnberg
Studium Freie Malerei Nürnberg AdBK
Maler und Grafiker