BBK Oberfranken
Berufsverband Bildender Künstler/innen Oberfranken e.V.

Favorite Things – 70 Jahre BBK Oberfranken

 

Favorite Things – 70 Jahre BBK Oberfranken

BBK Ausstellung 2017

1.4.2017 – 14.5.2017

Am 2. Mai 1947 gründeten Künstlerinnen und Künstler aus Ober- und Unterfranken einen gemeinsamen BBK Regionalverband für beide Regierungsbezirke im Bamberger Café Müller. Heuer wird also in Ober- und Unterfranken ein 70. Geburtstag gefeiert.

Die Oberfranken tun dies mit einer Ausstellung namens „Favorite Things“ in der städtischen Galerie Villa Dessauer. Der Titel geht auf ein Lied aus dem Musical „The Sound of Music“ von 1959 zurück, das vor allem im Jazz eine vielfältige Interpretationsgeschichte erlebte, nachdem es John Coltrane 1960 als Material für seine modalen Improvisationen auf dem Sopransaxophon verwendet hatte.

Bilder der Eröffnung
Alle Fotos: Franz Schrott

Pro Künstler oder Künstlergruppe steht einer der 15 Räume der Villa Dessauer zur Verfügung. In denen die von der Jury Ausgewählten jeweils eine zentrale, wichtige Werkgruppe zeigen werden. Ihre Lieblingsdinge also. Künstlerführungen und Begleitveranstaltungen zum BBK Jubiläum werden die Ausstellung ergänzen.

Bilder von der Ausstellung
Alle Fotos: Gerhard Schlötzer

Unsere 70 Jahre BBK Oberfranken Geburtsagstorte

Maria Theresiea Worch von „La Tortissima“ aus Bamberg hat uns zum Fest diese wunderbare Zier geschaffen: Mit Marzipanmusen und Personifikationen verschiedener Künste.

Alle Fotos: Gerhard Schlötzer

Ausstellungs-Plakat Katalog

Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler

Harald Burger, Angelika Gigauri, Beka Gigauri

Essential Parts

Harald Burger, Zwei Triptychen aus der Serie Kuros, Acryl auf Leinwand, je 50×50 cm

Zur Serie Kuros wurde Burger durch die Kykladeninsel Naxos inspiriert, wo Marmorstatuen aus der archaischen Zeit Griechenlands (Kuri) in der Landschaft liegen – aufgrund ihres Gewichts und Zustands nie transportiert und vollendet. Diese Unvollkommenheiten, das Prinzip Wabi Sabi, interessieren Burger in seinen Malereien, deren Oberflächen Risse und Schründe aufweisen. Im Zusammenspiel von intensiver Farbigkeit und dieser Struktur entsteht die eigentümliche Spannung seiner Bilder.

Angelika Gigauri, Ätherkräfte, 2017
Gegenteilige Bewegungen, drei Malereien mit Pflanzenfarben, je 100 x 90 cm

Den drei Bildern zum Thema der Pflanzen Amaranth, Kreuzdorn und Tulpe liegen Auseinandersetzungen mit den nicht sichtbaren Ätherbewegungen und -kräften zugrunde. Ideeller Hintergrund sind Theorien von Rudolf Steiner. Die Imagination ist die Basis für Gigauris Schaffen – im Wortsinn also eine Bildwerdung.

Beka Gigauri, Der Bürgermeister und seine Fenster
Installation mit Skulptur und Zeichnungen, 30×40 und 70×70 cm

Beka Gigauri schafft verästelte Papierskulpturen mit mannigfaltigen Oberflächenstrukturen, die einer surrealen Welt zu entstammen scheinen. Seine Zeichnungen antworten der Skulptur als Fenster in die Welt der Vorstellung und des Traumes dieses fremdartigen Wesens.
„Die Figur ist ein Pan oder Kobold und symbolisiert den unbewussten Impuls. Diese Installation soll die Schlafträume darstellen, die ich nicht vollständig verstanden oder gelöst habe.“

Hermine Gold

Zwischen Versteinerung und Flügelschlag, 2015/16
Objekte aus diversen Materialien, Monotypien auf Leinwand, je 60 x 125 cm

Zwischen Versteinerung und Flügelschlag spielt sich vermutlich das Leben vieler Menschen ab. Zeiten der Dürre, des Wartens, der Inaktivität, des „hundertjährigen Schlafs“ wechseln sich ab mit Zeiten der Lebendigkeit, des Sich-Aufschwingens, des Fliegen-Könnens.
Symbolisiert werden diese beiden Pole durch Vogel-Darstellungen: Auf Stelen im Raum stehen „versteinerte“, farblose Vögel. An den Wänden hängen Bilder, die stilisierte Vögel im Flug zeigen – also vor allem ihre mächtigen Schwingen, den kräftigen Flügelschlag.

Friedemann Gottschald

Nerv der Zeit – Verwelken
70 Rahmen mit s/w Fotos, 5 Rahmen mit Spiegeln, zusammen ca. 1200 x 2900 mm und gerahmte Folge floraler Motive, je 650 x 500 mm

Friedemann Gottschald stellt schwarzweiße Fotografien gegeneinander: Portraits einer sehr alten Person werden mit Details verwelkender Pflanzen konfrontiert.
Hier werden Naturfragmente, die das Spiel des Herbstes beenden und das allmähliche natürliche Altern in seiner ursprünglichen Form zeigen, den Portrait-Aufnahmen eines vergehenden Lebens in einer geschlossenen Bildfolge gegenübergestellt. Sie dokumentiert Extreme im Physischen wie Psychischen und ist in ihrer Folge eine Fokussierung auf das Wesentliche. Unterbrochen durch Spiegel, in denen sich der Betrachter selbst wiedererkennen kann, befasst sich der Bildzyklus mit der natürlichen Vergänglichkeit anhand von Blättern und Blumen. Vanitas-Gedanken steigen auf und die Realität holt uns in ihrer Fragestellung nach Schönheit und Vergänglichkeit, Liebe und Tod, stets wieder ein.
Den Porträts ist Gottschald stets mit Vorsicht und gebotenem Respekt begegnet.

Lena Maria Gräwe

Walden
Malereien

Großformatige, vielschichtige und -farbige Malereien, die auf Natureindrücken basieren, bilden den Schwerpunkt von Gräwes aktuellem Werkkomplex Walden, der auf das gleichnamige Buch des amerikanischen Dichters und Philosophen Henry David Thoreau aus dem Jahr 1854 zurück geht. Wie dieser sucht Gräwe die Verbindung zur Natur, genauer: zum Wald. Immer wieder ist der Blick aus dem Fenster, die Aussicht, das Motiv der Künstlerin.
Nun: Natur. Wald wohin das Auge blickt….
Manches ist direkt vor der Natur gemalt. Bei anderen Arbeiten dient der Fotoapparat als Vermittler. Im Zuge des Malprozesses entstehen schließlich eigene Bilder, innere Landschaften. Verbundenheit mit der Natur durch Mimesis. Der Blick im Sommer ruhend im satten Grün… Im Winter die karge Landschaft, braungrau. Bäume, die knattern und knarzen vor Kälte, dann das Erwarten des Frühlings, wenn alles aufploppt und hellgrünt! Kontemplation. Entschleunigung.

Adelbert Heil, Peter Kröning

Links: Adelbert Heil, Schlafrenner
Rechts: Peter Kröning, Nicht genug gelitten, 2017,
Gusseisenplastiken & Holzskulpturen

Adelbert Heil und Peter Kröning verbindet die gemeinsame Leidenschaft für die figurative und erzählerische Bildhauerei. Ihre Bildnisse spiegeln menschliches Streben und Scheitern wieder. Nach einem Praktikum, das Peter Kröning 1993 in Adelbert Heils Berliner Werkstatt führte, absolvierte er ein Bildhauerstudium an der Hochschule der Künste in Berlin. Im Laufe der Jahre hielt sich ein inspirierender Austausch.

Claudia Hölzel, Heidrun Schimmel, Michaela Schwarzmann

Spannungsverhältnisse

Drei Künstlerinnen arbeiten mit den verwandten Materialien Faden, Gewebe, Papier. Verbindungen werden in einer gesamträumlichen Lösung neu formuliert

Claudia Hölzel, Herzflimmern, 2017
Stoff auf Stoff, gefärbt und genäht, auf Keilrahmen, 50 x 70 cm und 100 x 70 cm

Die emotionale Kraft der Farbe und die Faszination des textilen Materials bestimmen das künstlerische Werk von Claudia Hölzel. Mit der Serie Herzflimmern beschreibt sie die innere Verfassung beim intensiven bildnerischen Arbeiten. Symbol für diese Stimmung ist die Farbe Rot mit ihrer kraftvollen und lebensbejahenden Aussage.

Heidrun Schimmel, Filamente, 2016
Baumwollfaden auf Seidenstoff, 20 Teile à 30 x 21 cm (DIN A 4)

„Material as matter“: Heidrun Schimmel entnimmt ihre Ideen spezifischen Eigenschaften, innewohnenden Kräften des textilen Materials und der Beziehung zum Menschen. – „…Der rote Faden/ ein rettender Faden/ am seidenen Faden/ der Faden ist gerissen – der Lebensfaden durchschnitten…“ – Das Wandobjekt Filamente thematisiert diese bis heute in unserem Sprachgebrauch überlieferten alten Vorstellungen.

Michaela Schwarzmann, subversive Stiche (Detail), 2017
Zwei Lagen Papier, Faden, Zeichnung, 170 x 250 cm

Fenster bringen Licht in einen Raum, der durch seine Mauern Schutz und Privatsphäre bietet. Gleichzeitig ermöglichen Fenster Blicke vom geschützten auf den öffentlichen Raum. Ein Erker erlaubt es, den Platz vor dem Haus zu überblicken. Die Arbeit Der subversive Strich ist für den Erker geplant. Sie stellt einen transparenten Raum im Raum dar und deutet den Blick in einen runden Erker an. Das Transparentpapier fängt das Tageslicht ein, streut es und zeigt seine Wirkung durch Papierschnitt. In diesem Lichtschein, im imaginären Raum, sitzt eine Frau mit Nadel und Faden, vertieft in die Arbeit. Die Frau am Fenster ist ein beliebtes Motiv in der Kunstgeschichte. Bis ins 20. Jh. sind Künstler fast ausschließlich Männer, die so dargestellten Personen sind meist Frauen. Sie sitzen am Fenster mit einer Handarbeit, schreiben, lesen oder verrichten Hausarbeiten. Das wirft die Frage auf: Wie und wo wäre meine Position gewesen zur Bauzeit dieser Villa? Wie und wo ist sie heute?

Thomas Michel

Stummer Schrei, Öl auf Leinwand, 150 x 130 cm, 2007
aus „Doublethink“, diverse Formate, dazu Publikumsinteraktion

Thomas Michel beschäftigt sich mit der Rolle der Malerei in einer digital manipulierten Bilderflut, sowie dem historischen Verhältnis zwischen Malerei und Fotografie. Seine Arbeiten sind in umgekehrten Farben und Tonwerten dargestellt, sie werden dadurch zu gemalten Negativen, die den Sehgewohnheiten des Betrachters zuwiderlaufen. Der Betrachter ist aufgerufen, genau hinzusehen und die Motive in ihrer scheinbaren Farbigkeit zu hinterfragen und umzudeuten. Durch die Umkehrung von Sichtbarem und Unsichtbarem erfolgt eine Verschiebung von Bedeutungen, die den Kontext der Bilder verschlüsseln. In der analogen Fotografie war das Negativ ein Ausdruck von Echtheit und Glaubwürdigkeit, im digitalen Zeitalter wird die Wahrheit durch Bildmanipulation für politische Zwecke, Propaganda und Werbebotschaften missbraucht.
Die Auflösung von Gewissheiten ist eine der existenziellen Grunderfahrungen der modernen Gesellschaft. Der Ausstellungstitel „Favorite Things“ beschwört eine heile Welt, die vor unseren Augen gerade im Zeitraffertempo zerbricht. Die westlichen Demokratien werden zur Zielscheibe von Populisten, die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge wird bewusst verwischt. Um dies zu verdeutlichen, wählt Thomas Michel den orwellschen Neusprech – Begriff „Doublethink“ aus dem Roman „1984“ als Titel für sein Konzept. Lüge ist Wahrheit: Die Regierung fordert die gleichzeitige Anerkennung sich widersprechender Aussagen und untergräbt damit jedes logisch – kritische Denken der Bevölkerung.
Die Bilder von Thomas Michel stellen das menschliche Individuum ins Spannungsfeld zwischen humanitärer Krise, religiösem Extremismus und globaler Medienwahrnehmung. Während eine kleine Minderheit von der Globalisierung des Kapitalismus profitiert, befindet sich die Mehrheit der Menschheit in einem existenziellen Überlebenskampf ohne die Chance, ihre Favorite Things jemals zu erreichen; stattdessen ist sie bedroht durch Gewalt, Terror und Tod.

Wolfgang Müller

Verameisung
aus „Massenproduktion“, Scherenschnitte, 100 x 140 cm, 100 x 70 cm, 70 x 100 cm, 2017

Massenproduktion ist Wolfgang Müllers Werkgruppe wortspielerisch betitelt. Nicht in Massen wird hier produziert, sondern es werden Massen produziert. Dabei handelt es sich immer um Menschenmassen. Die Scherenschnitte bestehen aus 3 Tonwerten: schwarz, weiß und grau. Meist balancieren diese Arbeiten an der Grenzlinie der menschlichen Mustererkennungsfähigkeit. Der Einzelne wird erst durch die Masse kenntlich, die ihn umgibt.

Dagmar Ohrndorf

Kind of Blue
Weidenholz und Stoff, diverse Materialien und Formate

Weidenkörbe in verschiedenen Größen und unterschiedlichen organischen Formen: Die Weidenäste bilden ein festes Geflecht. Innen- und Außenräume sind durch eine Öffnung miteinander verbunden. Das Geflecht ist mit Jeansstoff ummantelt, der von getragenen Hosen unterschiedlicher Personen aus Buttenheim, dem Geburtsort Levi Strauss´, stammt. Schilder über die genaue Herkunft der Personen befinden sich an den Objekten. Die Objekte liegen wie Kokons im Raum.

Stephan Pfeiffer

Wege, Acryl auf Leinwand, diverse Maße

Wenn ich traurig bin, stelle ich mir die Wege vor, die ich jederzeit einschlagen könnte. Dann fühle ich mich gar nicht so schlecht. Der Weg ist zunächst nichts weiter als ein Streifen im Gelände, der zum Begehen oder Befahren einlädt. Er verschafft Bewegung, verbindet mit Natur und Menschen und ermöglicht den Zugang zu Sehnsuchtsorten. Nicht immer sind die Wege mit bloßem Auge erkennbar: Das gilt für Flug- oder Wasserwege ebenso, wie für Wege im übertragenen Sinne – etwa Lebenswege. Genau um diese Wege geht es: Die Bilder sind eingefrorene Momente des Sich-Fortbewegens, gleichgültig, ob es sich dabei um Fluchtwege, um den abgenutzt erscheinenden Sprung ins kalte Wasser oder um Abwege handelt. Es kann sich auch um den Wechsel in ein Leben handeln, welches zwar nicht das eigene ist, das man sich aber gerne anverwandeln oder einverleiben würde. Aus diesen Überlegungen entstand eine Serie collagenartiger flächiger Bilder, in Acryl auf Leinwand, von denen hier einige gezeigt werden.

Margit Rehner

Drucksache
Serie Quadrat, sechs Lithografien, Unikat, 40 x 40 cm
Serie Spuren, sechs Materialdrucke, Unikat, 70 x 50 cm

Margit Rehner befasst sich seit einigen Jahren verstärkt mit dem Thema Druckgrafik.
Am Anfang stand das Interesse, Kenntnisse und Fähigkeiten in diversen Drucktechniken zu erlangen oder zu vertiefen – mit dem Resultat, wie sie sagt, bereits nach kurzer Zeit vom „Druckvirus“ infiziert worden zu sein. Im Handabriebverfahren gefertigte Unikatserien in den Techniken Lithografie und Materialdruck geben der Künstlerin Freiraum für ein Spiel mit Linie, Form und Farbe.

Gerhard Schlötzer

Graphitgravitation

Graphit auf Papier, je 90 x 90 cm

Gerhard Schlötzer zeichnet zu unterschiedlichsten Musikstücken mit verschieden starken Graphitstiften auf Papier. Von Barock bis Free Jazz und Minimal Music ist vieles dabei, was den Stift zum Tanzen bringt – natürlich auch die Interpretationen John Coltranes von My Favorite Things. Die Musik verwandelt er in Gesten, die ihre Spuren auf dem Papier hinterlassen; einzelne Striche überlagern sich zu einem dichten pulsierenden Netz. Alle Arbeiten der Serie Graphitgravitation haben das gleiche quadratische Format und werden beim Zeichnen immer wieder um 90° gedreht, so dass es bei der fertigen Zeichnung kein vorherrschendes Oben und Unten, keine zwingende Links-Rechts-Abfolge gibt. Der Gestus beim Zeichnen ist sehr unterschiedlich; was diese Zeichnungen aber verbindet und zur Serie macht, ist das Bemühen, über die gesamte Bildfläche ein einigermaßen gleichwertiges Beziehungsgeflecht der Striche entstehen zu lassen. Die Aufgabe der Bleistiftlinien ist es, sich zueinander zu verhalten, sich gegenseitig zu überlagern, eine Art stehende Welle zu bilden, deren Energie von der Musik stammt.

Walli Bauer, Peter Schoppel

Links: Walli Bauer, Kulturlandschaft, Radierung, 2017
Rechts: Peter Schoppel, Radierung, 2017

Walli Bauer und Peter Schoppel verbindet die Liebe zur „schwarzen Kunst“, darum füllen sie gemeinsam einen Raum mit ihren eigen-handgedruckten Radierungen zum Thema Landschaften. Schoppels Meditationen aus floralen Systemen und technologischen Mustern orientieren sich an den vom Menschen geprägten Kulturlandschaften. Bauers „grafische Spaziergänge“ sind ein Angebot zur Entdeckung der Langsamkeit – auch in ihrer betonten Handwerklichkeit als Gegenpol zum schnelllebigen digitalen second live.

Johannes Schreiber

Take me to the moon
Glas auf Sockeln, 20 x 30 cm bis 60 x 100 cm

Die Werkreihe besteht aus Industriegläsern, farblos und transparent, im Brennofen verformt durch Manipulation des Untergrundes und des Glasaufbaus.
Durch den Schmelzvorgang, die Länge und die Höhe der Ofeneinwirkung verändern sich Rückseite und Vorderseite. Auf den Oberflächen reflektiert das Licht und macht die innewohnende Verwerfung sichtbar, gleich einer Glaskugel, in der ich mich selbst sehe und das Dahinter, den Raum, das Licht.
Die Entwicklung dieser Reihung hat einen experimentellen Charakter, da viele Parameter auf das Ergebnis einwirken und die weitere Vorgehensweise beeinflussen. Das prozesshafte Herangehen birgt den Reiz des Entdeckens, verbunden mit der Gefahr des Scheiterns, der Umwege und Irrwege. Nicht immer ist der gerade Weg der Richtige.
Der Titel Take me to the moon soll diese Unwägbarkeit widerspiegeln, eine Reise ins Ungewisse, das Risiko des Gehens neuer Wege. Der Mond als Titelgeber ist Synonym für das Wesen dieser Glasindividuen. Der „bleiche Geselle“ sendet kein eigenes Licht aus, sondern reflektiert, ist unfarbig und lebt durch das Licht. Er ist eine Folie für Träume, Interpretationen und Gedanken. Reflektion braucht immer ein Gegenüber.

Nelly Schrott

Barbie in Red, Fotografie
aus der Serie „Komm, spiel mit mir!, 2013 – 2017“
9 Fotoarbeiten, 90 x 60 cm, FineArt-Druck, 1 Materialbild Nadelkleid im Rahmen, 1 Objekt: Hocker mit Plüschtieren

Seit einigen Jahren schon beschäftigt sich Nelly Schrott künstlerisch mit Motiven der Kinder- und Spielzeugwelt. Sie arbeitet inhaltlich längere Serien aus, deren Stränge sie für die Ausstellung Favorite Things in der Villa Dessauer exemplarisch zusammenfasst.
Die Themen dieser Werkgruppen sind: Spitz, Barbies, Beachboys und Strange things, es sind ihre favorite things.
Nelly Schrott geht es in diesen Arbeiten nicht um die vordergründige Abbildung von Spielzeug, sondern um Fantasien und Mysterien, die sich davon ableiten lassen, so wie sich das Kind mit Hilfe von einfachen Spielsachen seine eigene Fantasiewelt aufbaut. Hinter den scheinbar harmlosen Spielobjekten scheinen gefährliche, absurde, traumhafte, erotische, verbotene Fantasien und Assoziationen auf. Da geht es z.B. um das Spiel mit Verhüllung und Verkleidung mit durchscheinendem Tüll, ein Motiv sowohl der Eleganz als auch der Erotik. Eine größere Rolle nimmt auch der Spitz ein, der mit der Puppe eine verbotene Verbindung eingeht, ihr Partner wird und ihr unter den Tüllrock kriecht. Der Salamander ist sowohl ein Symbol außerordentlicher Schönheit, als auch der Bedrohung.
Nelly Schrott transformiert die scheinbar harmlose Kinder- und Spielzeugwelt. Es wird deutlich, dass dahinter ähnliche Träume, Geheimnisse und Tabus lauern können wie in der „Erwachsenenwelt“. Trivialästhetische Elemente verlieren ihren Ausgangscharakter in den neuen Anordnungen; für sie öffnet sich ein zweiter Blick.

Gudrun Schüler

Lohengrin
aus dem Wagner-Zyklus, 2012/2013, Öl und Mischtechnik auf Nessel, 195 x 140 cm bis 130 x 275 cmc

2013 befasste sich Gudrun Schüler anlässlich des Richard-Wagner-Jubiläumsjahres zum 200. Geburtstag des Komponisten erstmals intensiv mit seinen Opern und deren möglicher Umsetzung in ihre eigene Malerei. Als Bayreuther Künstlerin wurde sie von eu-art-network zu einem internationalen Wagner-Symposium ins Burgenland eingeladen. Dort konnte sie sich zehn Tage lang in eigens zur Verfügung gestellten Atelierräumen intensiv mit Musik und Thematik der Opern auseinandersetzen. Inspiriert durch die Musik schuf sie einen abstrakten informellen Bildzyklus. Direkt zu ausgewählten Opernpassagen entstanden gestische großformatige Arbeiten. In der aktuellen Ausstellung wird den Bildbetrachtern mit Textauszügen und den jeweils zugehörigen Opern-Passagen auf CD mittels Kopfhörer die Gelegenheit geboten, den Entstehungsprozess der Arbeiten nachzuvollziehen.